QUART:
Herr Küng, Sie führen seit 1982 hier im Quartier die von Ihren Eltern anno 1948
gegründete Bäumlihof-Apotheke. Was halten Sie von der Empfehlung gewisser Krankenkassen,
Medikamente vom Versandhandel zu beziehen?
C. Küng: Die "Empfehlung", sich Medikamente via Versandhandel zustellen zu
lassen, ist aus mehreren Gründen unsinnig. Medikamente sind Vertrauenssache und man
sollte nicht verantwortungslos damit umgehen. Die Idee hat wohl zum Zweck, Kosten zu
sparen. Allerdings am falschen Ort. Wer nur mit dem Röhrenblick auf den Preis schaut, der
übersieht, dass zur richtigen Verabreichung und Anwendung eines Medikamentes mehr gehört
als "ab die Post".
QUART: Was gehört denn im Einzelnen zur richtigen Verabreichung und Anwendung von
Medikamenten?
C. Küng: Ein wesentliches Element ist der persönliche Kontakt mit dem Patienten resp.
dem Kunden. Wie auch andere Apotheken, die ihre Aufgabe ernst nehmen, beraten wir unsere
Kundinnen und Kunden im persönlichen Gespräch. Wir empfehlen z.B. ein preisgünstigeres
Generikum, wir erkundigen uns nach der Verträglichkeit, wir überprüfen, ob Allergien
bestehen oder ob ein bestimmtes Medikament, das die Kundin oder der Kunde einnimmt, mit
einem anderen Medikament, das ebenfalls eingenommen werden muss, verträglich ist, oder ob
allenfalls Wechselwirkungen entstehen. Zudem sind die Packungsbeilagen oft fachsprachlich
und schwer verständlich abgefasst. Wir helfen den Kunden, diese Informationen zu
verstehen.
QUART: Gibt es bei der Kundenberatung Unterschiede, wenn es sich um rezeptpflichtige
Medikamente handelt oder um solche, die frei verkäuflich sind?
C. Küng: Bei rezeptpflichtigen Medikamenten prüfen wir das Rezept. Ärzte sind auch nur
Menschen und es kann, gerade bei Arbeitsüberlastung, auch einmal ein Schreibfehler
vorkommen. In Zweifelsfällen nehmen wir mit dem behandelnden Arzt Verbindung auf und
starten zur Sicherheit eine Rückfrage. Das verstehen wir unter Dienst am Kunden.
Ansonsten ist die Beratung bei rezeptpflichtigen und frei verkäuflichen Medikamenten
qualitativ dieselbe.
QUART: Was müssen Patientinnen und Patienten beachten, nachdem Sie in Ihrer Apotheke
Medikamente gekauft haben?
C. Küng: Medikamente müssen nach Vorschrift angewendet bzw. eingenommen werden. Damit
dies nicht vergessen wird, kleben wir, wenn nötig oder auf dem Rezept vermerkt, auf jede
Packung den per Computer ausgedruckten, klar verständlichen Anwendungs-Hinweis samt Namen
des Patienten. Durch den Namensvermerk des Patienten weisen wir darauf hin, dass
Medikamente nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt sind und niemals anderen Personen
zur Einnahme weiter gegeben werden dürfen. Zudem müssen Medikamente ausser Reichweite
von Kindern aufbewahrt werden. Des weiteren ist das mit EXP. bezeichnete Verfalldatum zu
beachten. Medikamente sind nur eine gewisse Zeit lang lagerfähig, danach können sich die
Wirkstoffe verändern oder unwirksam werden.
QUART: Was sollen Kundinnen und Kunden mit abgelaufenen Medikamenten tun?
C. Küng: Erstens: sie nicht mehr verwenden, und zweitens: sie fachgerecht entsorgen. Das
heisst: nicht in den Bebby-Sack werfen, nicht ins Altglas werfen, nicht den Gully
runterspülen, sondern zu uns in die Bäumlihof-Apotheke zurückbringen. Wir sind darauf
eingerichtet, verfallene Medikamente fachgerecht zu entsorgen, auf eine Weise, dass sie
die Umwelt nicht belasten. Auch dieser Service ist in unserer Apotheke
selbstverständlich. Die Zeiten, dass man im Rheinwasser einen Film entwickeln konnte,
sollten endgültig vorbei sein.
QUART: Vom Versandhandel können alle diese Serviceleistungen nicht erbracht werden.
Was sollten nach Ihrer Meinung die Versandhandels-Apotheken tun, um einen nützlichen
Beitrag für das Gesundheitswesen zu leisten?
C. Küng: Die Versandhandels-Apotheken sollten auf den Versandhandel verzichten und eine
ganz normale Apotheke führen.
QUART: Was sagt das Schweizerische Krankenversicherungsgesetz zum Versandhandel mit
Medikamenten?
C. Küng: Gemäss Krankenversicherungsgesetz kann niemand dazu gezwungen werden,
Medikamente per Post zu beziehen. Der Weg in die Vertrauens-Apotheke ist der direkteste.
Und auch der Sicherste.
QUART: Herr Küng, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. |